Drama in den Gesinnungsfabriken

10.01.2022 von Christian Zehenter

"Sagen was ist": So beschrieb Rudolf Augstein einst die Aufgabe des Journalismus. Unbestechlich, über- und allparteilich, faktisch, neutral und vor allem: regierungs- und elitenkritisch sollten Journalisten sein. Weiter als heute war die deutsche Medienlandschaft jedoch in der Nachkriegszeit niemals von diesen Idealen entfernt. Heute sind vor allem drei Dinge für Journalisten wichtig: links-totalitäre Gesinnung, Dramatisierung von Bedrohungen und: den Geldgebern nach dem Munde reden. So machen viele Qualitätsmedien gar kein Geheimnis daraus, dass sie sich von offener Diskussion, neutraler Recherche und allparteilicher Weltsicht verabschiedet haben, und geben freimütig zu, dass sie als Gesinnungsbetriebe Haltungsjournalismus betreiben, zu deutsch: Sie manipulieren die Fakten stets so, dass immer die gleiche Katastrophen- und Errettungserzählung dabei herauskommt.

Was nicht passt, wird passend gemacht

Das funktioniert zum Beispiel folgendermaßen: Regnet es übermäßig oder ist zu kalt, liegt dies am Klimawandel. Bleibt es aber trocken und ist zu heiß, liegt dies ebenfalls am Klimawandel. Gibt es in einem Jahr wie üblich fünf klimatische Ausreißertage mit Wetterextremen, wird über diese berichtet, und nicht über 360 normale Tage. Ebenso verhält es sich mit anderen "Katastrophen": Sterben an SARS-CoV-2 wie auch an einigen anderen Atemwegsviren - wie von Ioanidis in Stanford beschrieben - 15 (überwiegend bereits Schwerkranke) von 10.000 Infizierten, so wird über diese 15 berichtet und nicht über die 9.985 anderen. 2020 entfielen 1,9 Prozent der Patienten-Belegungstage in Kliniken und laut Techniker Krankenkasse 0,39 Prozent der Arbeitskrankentage auf Corona.

Legenden und gezielte Lügen

Durch Frisieren, Außerbezugsetzen und Verdrehung von Zahlen zimmerten Qualitätsmedien ein Drama und eine angeblich ständig drohende Überlastung der Krankenhäuser. So verhielt es sich auch mit dem Militärkonvoi in Bergamo 2020. 13 Fahrzeuge, die durch geschickte Bildschnitte dargestellt wurden wie 130, transportierten keineswegs überzählige Tote ab, sondern folgten lediglich einem Befehl der Regierung, die Leichen zu umliegenden Krematorien zu transportieren. Der Bayerische Rundfunk schrieb dazu unter dem Titel "Wie eine Fotolegende entsteht": "In Wahrheit war das Militär nicht etwa eingesetzt worden, weil Berge von Leichen nicht anders hätten transportiert werden können. Die Anzahl der Verstorbenen war nicht höher als bei manchen Grippewellen in Italien. Es war die Angst vor dem im Frühjahr letzten Jahres noch "Killervirus" genannten Erreger. Um Fakten zu schaffen, beschloss man die sofortige Einäscherung der an Covid Verstorbenen. Normalerweise werden in Italien aber nur die Hälfte aller Verstorbenen eingeäschert. Deshalb reichten die Kapazitäten des Krematoriums in Bergamo nicht aus und die Leichen mussten in umliegende Orte transportiert werden." Die Bergamo-Erzählung war also eine glatte Lüge. Doch wer sollte darüber berichtet? Die Lügner? So wie ein Radiogerät nur eine Frequenz empfängt und ein Programm sendet, verhält es sich auch bei großen Medien: Was nicht passt, wird passend gemacht. Und ist dies ausnahmsweise nicht möglich, wird es verteufelt - wobei jeweils die zuvor ausreichend diabolisierten Begriffe "rechts", "Leugner" oder "Verschwörung" fallen. Heraus kommt ein moral-totalitärer, gleichschaltender Gesinnungsjournalismus, der von Kritikern als Hofberichterstattung bezeichnet wird.

Alimentierte Ideologien

Wie konnte es dazu kommen? Die Antwort findet sich nicht nur im Prinzip der Medien als Dramatisierungsmaschine (gute Nachrichten sind uninteressant), sondern auch vor allem in üppigen Zuwendungen durch Interesseninstanzen, angefangen bei jährlich durch die Landeschefs bewilligten rund 8 Milliarden Euro an den öffentlich-rechtlichen Rundfunk, der im Ausland spöttisch als Staatsfunk bezeichnet wird - ein für beide Seiten äußerst lukrativer Tauschhandel. Mindestens so bedeutend und viel subtiler sind Zuwendungen durch Interessenseilschaften aus der Wirtschaft. So hat Google seit 2013 rund 200 Millionen Euro an europäische Medien bezahlt, wie aus einer gemeinsamen Studie der Otto Brenner Stiftung und dem Deutschen Gewerkschaftsbund hervorgeht. Auch die Gates-Stiftung lässt sich nicht lumpen und alimentiert den Recherchen des Journalisten Mario Martin zufolge deutsche Medien großzügig, zum Beispiel den Spiegel im Oktober 2021 mit 2,9 Millionen Euro. Unterdessen sponsort Impfstoffhersteller Pfizer den SPD-Parteitag - so berschreibt es Norbert Häring in seinem "Wenn Pfizer und Microsoft den Parteitag der Regierungspartei von Gesundheitsminister Lauterbach sponsern".

Umbau heiligt die Mittel

Kein Wunder, dass die Narrative der Geldgeber frenetisch verteidigt und Abweichler öffentlich diffamiert und geächtet werden. "Mehr Technologie, Überwachung, Kontrolle und Regulierung wagen", ist der neue Tenor, ganz im Sinne der Sponsoren. Da dürfen schon einmal Gefahren und Katastrophen erfunden oder zumindest absurd übertrieben und ein bisschen Panik, Hass und Spaltung verbreitet werden. Umbau der Gemeinschaft ist das Motto, um endlich Nägel mit Köpfen zu machen, nämlich eine globale, ökosoziale, digitalisierte, überwachte und kontrollierte Tugendgesellschaft mit klaren Führungsstrukturen statt das überkommende disziplinlose demokratische System mit seinen Freiheiten und dem unkontrollierten Miteinander. Denn Regierungen, Konzerne, Finanzriesen und Superreiche wissen viel besser, was für uns richtig und heilbringend ist als wir selbst. Dass die großen Medien als ihre Pressestellen fungieren, ist zwar unangenehm, aber leider notwendig. Wie sollte sonst die große Regulierung stattfinden? Nun gibt es die Instrumente, sie endlich durchzusetzen - und es fließen Milliarden für diesen guten Zweck. Je mehr Regulierung, desto besser. Denn der einzelne Mensch ist dumm und unwissend, er muss überwacht und gesteuert werden. Deshalb: Mehr und härtere Gesetze!

Hinweise auf systemimmanente Gleichschaltung

Viele Medienhäuser geben wie beschrieben diese institutionelle Korruption geradezu freimütig zu, natürlich unter gefälligeren Begriffen wie "Kooperation", "Faktenchecker", "Solidarität", "Spenden" oder "Initiative gegen rechts/Hass/Fake". Selten wird auch eine entsprechende Aussage geleakt, wie hier vom internationalen, in der Schweiz ansässigen Medienkonzern Ringier: In dem entsprechenden Video erklärt Ringier-CEO Marc Walder sinngemäß, dass er seine Redaktionen weltweit angewiesen hat, auf jegliche Kritik an der offiziellen Corona-Politik zu verzichten und stattdessen strammen Regierungskurs zu halten - Boris Reitschuster berichtete am 3. Januar über diesen Vorfall. Auch eine Aussage des Geschäftsführers von Axel Springer, Mathias Döpfner, gelangte im vergangenen Jahr an die Öffentlichkeit. Demnach seien die meisten deutschen Journalisten mit Blick auf die Corona-Berichterstattung Propaganda-Assistenten eines neuen DDR-Obrigkeitsstaates. Kein Wunder, dass nach diesem Fauxpas der regierungskritische Bild-Chef Julian Reichelt als Springer-Bauernopfer gehen musste, um die erboste Medienlandschaft zu befrieden. Seither kommt auch die "Bild" endlich im Hofgewand daher.

"Gemäss den Werten der Aufklärung"

Das Portal Infosperber schreibt zur Ringier-Affäre unter dem Titel "Ringier: Journalismus im Zwielicht": "In einer akuten Phase einer Grosskrise mag es kurzfristig angebracht sein, mit Kritik zuzuwarten, bis ein bisschen Klarsicht möglich ist. Die wichtigste Aufgabe des Journalismus bleibt jedoch, Fakten zusammenzutragen, zu analysieren und zu bewerten – gemäss den Werten der Aufklärung und unabhängig davon, wie eine Behörde die Realität darstellt und zu gestalten versucht. (...) Auch Medien sollten daran interessiert sein, zur Lösung einer Krise beizutragen, aber bestimmt nicht in informeller Absprache mit einer Regierungsstelle."

 

Bildquelle: Shutterstock / Arsel Ozgurdal

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