Infantilisierter Überwachungsdschungel breitet sich immer weiter aus

Freiheit zum Abhaken: Corona-Regel-Check

06.02.2022 von Christian Zehenter

Welche Grundrechte haben wir, wenn wir zweimal genesen, einmal getestet und dreimal geimpft sind? Anhand welches Verhaltens erlaubt uns der Staat, einen Friseur, ein Schwimmbad, einen Kurs oder Angehörige in der Klinik zu besuchen? Wann dürfen wir einkaufen oder unterwegs eine warme Mahlzeit erhalten? Und bei welchen Verhaltensabweichungen werden wir mit Ausschluss bestraft und müssen draußen bleiben, während andere zum Tagesmenü oder Sport begrüßt werden?

Wenn eine Gesellschaft "nur Vorschriften befolgt"

Manche Zeitdokumente sprechen in der Frage, wie sich Staat und Gesellschaft verändert haben, bereits für sich, so auch die mittlerweile etablierten Corona-Regel-Rechner und -Tabellen, die an den Pforten deutscher Krankenhäuser, Schwimmbäder, Vereine und Restaurants vorliegen und Bürgern Orientierung geben sollen. Sie offenbaren ein infantilisiertes, autoritäres und paranoides Verhältnis zwischen Regierungen und Bevölkerung, aber auch zwischen Nachbarn, Familienmitgliedern, Freunden, Bekannten und Kollegen. Wann haben wir angefangen, uns gegenseitig zu beargwöhnen, zu kontrollieren, zu überwachen, zu sanktionieren, zu denunzieren und auszuschließen - mit dem Hinweis, "nur Vorschriften zu befolgen"? Und glauben wir wirklich, dies diene unserer Gesundheit (die nach WHO-Definition mit Wohlbefinden gleichzusetzen ist), mache uns also glücklicher und zufriedener? Wo sind diese Verbesserungen zu erkennen, während Depressionen, Übergewicht, Sucht, Untervorsorge, Bluthochdruck und Bewegungsmangel ein 30-Jahres-Hoch verzeichnen. Und wo machen sich die angeblich geretteten Lebensjahre bemerkbar?

Nicht ein freies Miteinander, sondern Angst und Distanz machen krank

Glauben wir wirklich, ausgerechnet die Grundrechtseinschränkungen hätten uns vor Schlimmerem bewahrt? Warum sind dann Länder weitgehend ohne diese Maßnahmen - wie Schweden, Florida oder South Dakota - sogar besser durch die Krise gekommen als Länder mit drakonischen Einschränkungen wie Israel, Spanien, Kalifornien oder North Dakota? Staaten wie Dänemark oder Großbritannien, die mitten in der vierten Welle nahezu alle Maßnahmen fallen ließen, verzeichneten keine Verschlechterung, sondern eher eine Verbesserung der allgemeinen Gesundheit. Kein Wunder, denn Miteinander, Bewegung, Selbstbestimmung, Zuversicht und Freiheit tragen entscheidend zur Gesundheit bei, während Angst, soziale Distanz und Grundrechtseinschränkungen schwer auf der körperlichen und seelischen Verfassung lasten.

Regelwut wird zum autoritären Überwachungsdschungel

Unterdessen verliert sich Deutschland im autoritären Überwachungsdschungel. So haben selbst ausgewiesene Corona-Hardliner den Überblick verloren und können ohne Corona-Regel-Rechner nicht mehr sagen, mit wie vielen halb, vollständig, zusätzlich oder gar nicht Geimpften, Genesenen, (Un-)Maskierten und (Un-)Getesteten wir Geburtstag feiern, in einem Pkw fahren oder Sport treiben dürfen. Ganz zu schweigen von der Art der Impfung (Johnson & Johnson, BioNtech oder Novavax?) oder des Tests (Fremd- oder Selbsttest, Antigen oder PCR, Testzentrum oder qualifizierte Teststelle?).

Millionen Menschen werden zu Erfüllungsgehilfen

Auch der Genesenenstatus ist kompliziert geworden: Wer einmal den Bodensee umrundet, darf landesabhängig 3, 6 oder 9 Monate seine Grundrechte - also z. B. eine warme Mahlzeit, gemeinsamen Sport oder Haareschneiden - genießen. Dass ein derart paranoides und verfassungswidriges Regelsystem in die Welt gesetzt wurde, bereitet allerdings weniger Sorge als die Tatsache, dass Millionen Menschen dieses umsetzen (denn "das Ordnungsamt" könne kontrollieren, und dann müsse man bei Verstößen 25.000 € bezahlen oder den Betrieb schließen).

Glücklich werden nach eigener Fasson - und demokratischer Verfassung!

Warum hatte man nach dem letzten großen Totalitarismus die Demokratie, Verfassung, politische und mediale Diversität wieder eingeführt statt des scheinbar viel praktischeren Obrigkeits- und Erziehungsstaates? Zeit, wieder festzustellen: Wir werden nach unserer eigenen Fasson glücklich - und jeder ist dabei willkommen.

 

Bildquelle: Shutterstock / Pasuwan

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