Nur wenige Insider kritisieren Medienbetrieb

Gros der Meinungsmacher auf Kurs

25.01.2022 von Christian Zehenter

Wie aus Journalismus Haltungs-, Gesinnungs- und schließlich Herdenjournalismus wird, beobachten wir gerade in Echtzeit. Für konforme Beiträge gibt es Zuckerbrot, für Widerspruch die Peitsche. Ein vorgegebener moralischer Kurs muss eingehalten werden. Undenkbar, sich in der subventionierten und gesponserten Medienlandschaft dagegen zu wenden. So produzieren einstige Qualitätsmedien unter dem Motto der Demokratie, Toleranz, Kritik und des Kampfes gegen Fake News und rechtes Gedankengut allzu leicht selbst undemokratisches, rechtes, intolerantes und opportunistisches Gedankengut - und auch Falschmeldungen, zum Beispiel hinsichtlich Risiko des Virus, (Neben-)Wirkungen der Impfung, Überlastung der Kliniken, Rechtsextremismus bei Coronaprotesten, Migration, Klimaschutz oder außenpolitischen Spielfeldern wie Russland und China. Alle Journalisten haben zu diesen und anderen wichtigen Themen im Großen und Ganzen das Gleiche zu berichten - das sich wie durch Zauberhand fast exakt mit den Verlautbarungen einer internationalen Oligarchie aus Milliardären, Finanz- und Digitalkonzernen und den von ihnen finanzierten Stiftungen und Netzwerken deckt. Vom heute journal bis zur Tagesschau, von Lanz und Illner bis zu Kindersendungen wie Logo, vom Spiegel bis zur Zeit oder Süddeutschen werden die immer gleichen Thesen unhinterfragt und unwidersprochen 24/7 verbreitet - und mit ihnen Angst, Hass, Ausgrenzung, Konformität, Solidaritäts-, Gesundheits- und Tugendkult. Niemand muss dazu eine Gleichschaltung der Medien vorschreiben, wenn jede(r) weiß, was (nicht) zu tun ist.

Keine Misstöne gegen Regierungskurs gewünscht

Mitunter gibt es dennoch unverblümte Anweisungen von ganz oben, wie zu berichten ist - und dass die Medien die Regierung bei ihrer schweren Aufgabe, die Bevölkerung zu unterwerfen - Verzeihung: zu erlösen - unterstützen und keine Misstöne streuen sollen. So erklärt Marc Walder, CEO des in der Schweiz ansässigen internationalen Medienkonzerns Ringier in einem geleakten Video (u.a. zu finden auf Nebelspalter.ch) sinngemäß, dass er seine Redaktionen weltweit angewiesen hat, auf jegliche Kritik an der offiziellen Corona-Politik zu verzichten und stattdessen strammen Regierungskurs zu halten. Doch solche skandalanfälligen Ansagen sind gar nicht erforderlich. Denn das System läuft wie geschmiert. Wenn ein Beitrag oder eine Sendung im Vorfeld über die Desktops von Redaktion, Redaktionsleitung, Programmdirektion und Intendanz gelaufen ist - und bereits zuvor haltungsgetreu produziert wurde -, sind diese so geschmeidig und konform wie eine Rede des Bundespräsidenten - allerdings auch genauso blutleer und vorhersehbar. Wer ausschert, wird das nächste Mal übergangen oder sogar als "Verräter" exponiert und isoliert. Wer will das schon? So wird die Publikation entwarnender Coronazahlen oder das Weglassen von Verachtung gegenüber Regierungskritikern oder unliebsamen Staatschefs durch einen im Herzen skeptischen Mitarbeiter schon zum revolutionären Akt und der Vorstufe seiner eigenen Kündigung. Wer möchte sich dies in den ohnehin von Konkurrenz, Überlastung, Entlassungen, Mittelknappheit und menschlicher Härte geprägten Gefilden des Journalismus zumuten - und wozu?

Es fehlt "eine wirklich angstfreie Atmosphäre"

So bleibt das Gros der Meinungsmacher auf Kurs - und glaubt sich durchaus die täglich selbst erzählten Narrative. Denn niemand kann auf Dauer mit ständiger Dissonanz leben oder mit dem Bewusstsein, anderen Menschen mit gesinnungsfrisierten Beiträgen Leid zuzufügen. Die wenigen Ausnahmen treten umso stärker ins Radar - wie der SWR-Nachrichtensprecher Martin Ruthenberg, der die verdrehten Fakten nicht länger hinnehmen konnte. Im Interview mit Ralz Wurzbacher berichtet er: "Die vielen Widersprüche waren es, die mich schon sehr viel früher in der Krise veranlasst haben, an dem zu zweifeln, was zum Thema Corona offiziell medial transportiert wird. Mein Gang an die Öffentlichkeit erfolgte dann an einem Punkt, an dem ich es nicht mehr mit meinem Gewissen vereinbaren konnte, wichtige und berichtenswerte Dinge zwar wahrzunehmen, aber einfach nicht sagen zu dürfen. (...) Woran es vor allem im öffentlich-rechtlichen Rundfunk fehlt, ist eine wirklich angstfreie Arbeitsatmosphäre, bei der auch die Außenseiter eingebunden sind und kritische Meinungen zugelassen werden. In all meinen Jahren beim SWR habe ich eine solche Atmosphäre nie erlebt. (...) In meinen Augen hat es schon vor Corona eine große Nähe der Öffentlich-Rechtlichen zur Regierung gegeben – auf Landes- und auf Bundesebene. Auch schon früher war mir aufgefallen, dass gewisse Themen und Akteure in der Berichterstattung bevorzugt und andere ausgeblendet werden."

 

Bildquelle: Adobe Stock / pyty

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