Ist schwarze Pädagogik wieder en vogue?

05.01.2022 von Christian Zehenter

Depressionen, Sucht-, Angst- und Essstörungen haben sich bei Kindern nahezu verdoppelt. Dies ist keine Überraschung, sondern war absehbar angesichts der Freiheitseinschränkungen, die aus Schulen und auch vielen Kitas eine Form von Hygienelagern gemacht haben. Dort liegen Gefahr und Angst ebenso in der Luft wie Gehorsam, Tugend und Autorität. Wer sich nicht fügt - und z. B. auf Maske, Abstand und zunehmend auch die Impfung verzichtet - wird meist ohne Gnade ausgeschlossen, diffamiert und geächtet. Denn Abweichler sind Leugner, Verweigerer, Schwurbler, Extreme, Tyrannen und vielleicht sogar Mörder - und dies schon im Kindesalter. Daher doch lieber Einsamkeit, Sauerstoffmangel und Mundfäule in Kauf nehmen. Alles ist besser als soziale Ächtung, zumal Schulen über ein hervorragendes Zwangsmittel verfügen: Um beschult zu werden, müssen Kinder Gehorsam leisten - die Beschulung aber ist gesetzliche Pflicht. An eine unbeschwerte, förderliche, freie Entwicklung ist hierbei nicht mehr zu denken. Wohl den Kindern, die noch an teuren Freizeitangeboten für Geimpfte teilnehmen dürfen. Auf viele trifft das nicht zu. Doch was macht es mit kleinen Menschen, wenn sie von Klein auf Gehorsam leisten, Abstand halten und bald auch ihr Gesicht verhüllen müssen - und teilweise noch nie die Gesichter ihrer Erzieherinnen und Lehrerinnen gesehen haben? Wenn Kinder in eine Welt der maskierten Gesichter hineingeboren werden, die doch Wärme, Verbindung und feinste Gefühlsnuancen ausdrücken sollen, aber nun kein Mitgefühl mehr ausstrahlen und empfangen? Kontaktbeschränkungen in jeder Form sind für Kinder - die durch Corona praktisch nicht gefährdet sind - einer der gefährlichsten Einflüsse, ebenso wie eine institutionelle Überregulierung, die eine unbeschwerte Kindheit zunehmend in eine Welt der Anpassung und Reglementierung verwandelt.


Eine Erzieherin mit Leib und Seele gibt nach 30 Jahren auf und schreibt in einem offenen Brief an die Kinder: "Institutionen spielen eine wichtige Rolle bei der Ausweitung und Etablierung totalitärer Systeme. Dann kann sich jeder daran beteiligen und hinterher sagen, er hätte nur funktioniert, aber sich nie dafür entschieden. (...) Denn ihr (Kinder) habt etwas, wonach sich alle Erwachsenen sehnen. Die Spontaneität, die Unmittelbarkeit eures Erlebens, die blanke Lust, alles auszuleben, alles auszudrücken, was raus will, flexible, geschmeidige Körper und einen offenen Geist — da ist die Kraft etwas Neues hervorzubringen. (...) Kindern zu erzählen, sie brächten ihre Oma um, wenn sie keine Maske tragen oder Oma umarmen wollen — und neuerdings: wenn sie sich nicht gerne impfen lassen —, sind einer Nötigung, einer Erpressung ausgesetzt, die alles übersteigt, was im Rahmen einer schwarzen Pädagogik schon einmal en vogue war."

 

Bildquelle: Adobe Stock / soupstock

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