Waffen und Hassen für den Frieden (und Amerika)

Kriegstreiber im Trockenen

22.09.2022 von Christian Zehenter

Über Waffenlieferungen und eine geschlossen stehende Wertgemeinschaft gegen "niederträchtige Feinde" lässt sich leicht reden und entscheiden, wenn man selbst sicher in der beheizten Stube sitzt. Dass durch Waffen und Hassrede kein Frieden geschaffen wird, sondern - natürlich - Krieg, liegt auf der Hand. Aber diesen Krieg sollen andere ausfechten. Niemals würden die Kriegsrethoriker ihre Kinder an die Front schicken oder selbst zur Waffe greifen. Dies sollen 18-jährige Ukrainer übernehmen, die 18-jährigen Russen mit deutschen Waffen in den Kopf schießen - unter dem Hurra der deutschen Medien und Politik.

USA als Profiteur, Europa als Vasall

Europa und speziell Deutschland übernimmt in dem Konflikt die Rolle eines Vasallen der USA, die um ihre Vormachtstellung als Supermacht fürchten und deren Kriegsindustrie nach den beendeten Vernichtungskriegen in Irak und Afghanistan dringend Futter braucht. Ab 2014 haben die Vereinigten Staaten nach dem lancierten Putsch die Ukraine aufgerüstet - und letztlich damit auch den Bürgerkrieg gegen die russischen Minderheiten unterhalten und einen Konflikt mit Russland faktisch erzwungen. Und der daraus folgende Krieg kennt viele Profiteure. Denn mit den deutschen Sanktionen, die vor allem das eigene Land treffen, fällt Deutschland als wirtschaftlicher Konkurrent der USA zukünftig aus.

Deindustrialisierung Deutschlands beschert amerikanischen Konzernen Milliardengewinne

Die unter dem Motto grüner Nachhaltigkeit betriebende Deindustrialisierung Deutschlands (die zwangsläufig in eine schwere Wirtschaftskrise und evtl. Krieg führen wird, dem Klima allerdings nichts nützt) überlässt das bislang vom Exportweltmeister Deutschland besetzte Terrain endlich amerikanischen Konzernen - die seit Beginn des Krieges satte Zusatzgewinne einfahren, während Deutschland bei zunehmend schwächelndem Euro nun überteuerte Rohstoffe aus den USA importiert. Dort gibt es keine Energiekrise, sondern der Gaspreis liegt bei einem Achtel gegenüber Deutschland. So war eines der wichtigsten amerikanischen Projekte der letzten Jahrzehnte, die Annäherung Russlands und Deutschlands zu verhindern. Denn nicht auszudenken, wenn beide Länder gar Freundschaft geschlossen und gegenseitig von Rohstoff- und Technologietransfer profitiert hätten. Wo wäre der amerikanische Hegemon geblieben?

Ende der Sanktionen, Neutralität und ehrlicher Journalismus als Schritte zum Frieden

Um die (allein durch politisches Handeln und nicht durch Viren oder Russland verursachte) kommende Krise und eine Ausweitung des Krieges zu verhindern, wäre ein sofortiger Stopp der Sanktionen gegen Russland, eine Öffnung von Nordstream II und eine Wiederaufnahme aller wirtschaftlichen und politischen Beziehungen notwendig sowie die Erklärung der Neutralität der Ukraine, die endgültige Beendigung der EU- und Nato-Osterweiterung - und natürlich Friedensverhandlungen. Im Krieg betreiben immer beide Seiten Propaganda und setzen sich ins moralisch richtige Licht. Wer sich also nur annähernd ein Bild machen möchte, muss auch russische Quellen wie (das aus der Öffentlichkeit gecancelte) RT sichten. Denn es herrscht nicht nur ein militärischer, sondern auch ein ökonomischer und medialer Krieg. Die Alternative zur Differenzierung wäre ein langer Krieg für die "gute Sache" - wieder einmal in der Geschichte. Und wieder einmal agiert Deutschland dabei militärisch gegen Russland und zündelt ohne Sinn und Verstand und gegen die eigene Bevölkerung - und versteht nicht, dass es dabei nur verlieren kann und die Gewinner in Übersee die Sektkorken knallen lassen - und dass Frieden nur mit Versöhnung und Entspannung zu erreichen ist.

"Die Kriegstreiber sitzen in Talkshows und Redaktionen"

Autor Marcus Klöckner schreibt in seinem Beitrag "Die Kriegstreiber" auf den Nachdenkseiten: "Die Kriegstreiber sitzen in Talkshows mit der Maske der moralisch Gerechten. Und sie sitzen in den Redaktionen mit den Stahlhelmen vor ihrer Tastatur. Sie sprechen von „unseren“ Werten, die es zu verteidigen gilt. Sie sagen, in der Ukraine gehe es um Freiheit und Demokratie. Die vorgeblich „Guten“ sollten die Worte „Werte“, „Freiheit“ und „Demokratie“ besser nie mehr in den Mund nehmen. Es soll nicht vergessen sein: Alleine von 1965 bis 1970 haben die moralisch Überlegenen 4,5 Millionen Tonnen Bomben auf Vietnam geworden. Vom Einsatz des Entlaubungsmittels Agent Orange, das bis heute noch zu furchtbaren Missbildungen bei Neugeborenen führt, ganz zu schweigen. Im ersten Irak-Krieg haben die moralisch Gerechten innerhalb von 40 Tagen 90.000 Tonnen Bomben auf das Land geworfen. In Afghanistan waren es zwischen 2006 und 2018 rund 50.000 Tonnen Bomben. All das Leid, die Zerstörung, all die Opfer. Wofür? Für Frieden, Freiheit, Menschenrechte? Wer das glaubt, glaubt wohl auch, der Mond ist ein großer Käsekuchen. Wir sehen in diesem Krieg, das, was immer in Kriegen zu beobachten ist. Die Entdifferenzierung der Wirklichkeit."

Foto: Rick/stock.adobe

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