Endlich erzählt man uns Wahrheiten, die wir verstehen

Einheitsmärchen aus der Tugendschmiede

25.04.2022 von Christian Zehenter

Was sagt es uns, wenn alle großen Medien zu allen großen Fragen im Grunde das Gleiche berichten? Angst, Hass, Kult und totalitäre Fantasien prägen die deutsche Qualitätsberichterstattung seit fast 2,5 Jahren. Seitdem wird uns viel angeblich Hassens- und Verachtenswertes unterbreitet, ob Viren, Querdenker, Putin(-Versteher), Ungeimpfte, Rechte (zu Teilen ein Synonym für Mainstreamkritiker), Alternativmedien, prorussische Tendenzen, Russen oder alte weiße Männer. Diesen ausgrenzungs- und verachtenswerten Subjekten und Strömungen steht eine Tugendgemeinde gegenüber: Sie steht für Impfung, soziale Distanz, Klimaschutz, Gendersprache, Ukrainesolidarität, Neomarxismus, Industrie-, Wohlstands- und Freiheitsabbau, Waffenlieferungen, neue Technologien, Kontrolle und Proamerikanismus - kurz: für Sicherheit, Vernunft und das Gute. So wenig diese Kombination funktionieren kann - schon allein, weil Waffenproduktion, marxistische Sozialleistungen und neue Technologien sehr viel Energie, Wertschöpfung und Rohstoffe erfordern - so süß schmeckt sie der neuen politmedialen Generation "Me".

Die Zeit der nie dagewesenen Dramen

Ein schuldenbasierter Geldregen und der Gesinnungskult einer wohlstandsvergessenen Gesellschaft machen es möglich: Banalste Antworten auf komplexe Entwicklungen konstruieren ein hygienisch-blau-gelbes Weltbild bestechender Schlichtheit. Endlich erzählt man uns Wahrheiten, die wir verstehen, markige Geschichten von Helden, Bösewichten, Drachenbezwingern, schönen Prinzessinnen und Ungeheuern. Ob sich irgendetwas davon bestätigen lässt oder zumindest kritisch diskutiert werden muss, spielt keine Rolle mehr. Denn es fühlt sich einfach zu gut an, auch wenn uns angesichts des Dramas der kalt-wohlige Schauer den Rücken hinunter läuft. Früher gab es zum Glück keine Viren und Kriege - schon gar keine Überfälle auf andere Ländern durch die USA oder gar Europa. Die wenigen, zu vernachlässigenden US- oder Nato-geführten Kriege waren gute Kriege aus edlen Motiven, einfach alternativlos und durch die Tugend und Menschlichkeit geboten. Zwar müsste man zahlenmäßig für jede Ukraine-Schweigeminute 120 weitere Minuten für US-geführte Kriege in anderen Ländern schweigen - und dies nochmals für die Opfer der internationalen Corona- und Ukrainepolitik - aber das wäre zu kompliziert.

Frieden, Freiheit und Entspannung würde verwirren

Endlich ist die Welt wieder so einfach, dass wir sie verstehen und Orientierung finden. Deshalb noch mehr Waffen in Kriegsgebiete, Spenden für die Ukraine, noch mehr Sanktionen und Impfungen, kalter und heißer Krieg und vor allem noch mehr Hass, Angst und Propaganda! Denn wenn wir nicht täglich traumatisierte ukrainische Kinder, blau-gelbes Heldenepos, einen heroischen Präsidenten in olivgrün, Russenhass und dazwischen Viren- und Klimaangst medial aufgetischt bekommen, sondern Kritik, offene Diskussion, Relativität, verschiedene Meinungen oder gar Frieden, Freiheit und Entspannug, würde uns das zutiefst verwirren. Was wäre dann richtig und was falsch, und wem sollten wir dann unsere Opfer darbringen, warum und für was würden wir überhaupt leben? Wir wollen für die gute Sache frieren, kämpfen, spenden, leiden und gehorchen, wollen aber bitte genau wissen, für was.

Das erste Opfer ist die Wahrheit

Dass westliche Kriegsprofiteure selbst nie endende Aufheizungen, Eskalationen und Kriege produzieren - etwa Rohstoffspekulanten, Rüstungsmilliardäre, Internetgiganten oder Geostrategen -, ist eine bösartige Verschwörungsideologie - ebenso wie, dass Krieg vor allem aus allseitiger Propaganda besteht und in der Ukraine Oppositionelle ermordet, Parteien verboten und seit 8 Jahren russische Minderheiten verfolgt werden. Dies wäre undenkbar, denn die Kriegsberichte sind wahrhaftig, ausgewogen und Teil unserer Identität.

Scheinheiligkeit und Erlösungsversprechen

Glücklicherweise sind Regierungen und Medien - insbesondere des Westens - heute erstmals zutiefst am Schicksal und den Bedürfnissen der Menschen interessiert und tun alles für unser aller Wohl, während sie sich selbst im Bemühen um Menschlichkeit, Frieden, Wohlstand und Freiheit regelrecht aufzehren. Irgendwie stellt sich zwar dennoch immer das Gegenteil ein - also Unfrieden, Spaltung, Ungleichheit oder Unfreiheit -, aber das ist bösen Menschen und widrigen Bedingungen geschuldet, die wir entschlossen mit aller Härte, autoritären Maßnahmen und unter Opfern bekämpfen müssen. Danach aber, wenn wir verzichtet, gehofft, gekämpft, ausgegrenzt, gehasst und der Regierung vertraut haben, wird alles gut werden. Dann ist das Virus besiegt, der Weltfrieden verwirklicht, das Klima gerettet, Gerechtigkeit hergestellt und die Gesellschaft versöhnt.

 

Bildquelle: Adobe Stock / tiero

Zurück

Einen Kommentar zum Thema schreiben

Bitte addieren Sie 2 und 4.

Anzahl Kommentare: 0