Nicht rechtsradikal, sondern wichtig

Wenn die Teilnehmer von Coronademonstrationen rechtsextremistische, gewaltbereite Verschwörungstheoretiker sind, so sind es jedenfalls die ersten in der Geschichte, die "Frieden, Freiheit, Demokratie" rufen, sich für die Verfassung und gegen Faschismus und Totalitarismus stark machen und wie das Publikum eines Kirchentags wirken. Nur wer selbst Hass und Extremismus im Herzen trägt, kann diese Menschen für gefährlich und den Staat für einen Beschützer halten. Es ist nur dem Friedens- und Freiheitsgeist der Teilnehmer zu verdanken, dass es angesichts der Polizeigewalt und der kriegsartigen Unterbindung der Versammlungsfreiheit durch Eingreiftruppen wie in Berlin oder Frankfurt nicht zu Ausschreitungen kam. Denn Gewaltfreiheit, Frieden, Menschen- und Freiheitsrechte sind Mittel und Ziel der Bewegung. Als Gründe für die Auflösung der Versammlungen dienen Hygieneauflagen (mit denen man ab sofort für immer und weltweit alle Demonstrationen verbieten kann) oder, wie nun in Berlin, die drohende Unterwanderung der Proteste durch "Querdenker". Es stimmt: Querdenken geht im postdemokratischen Deutschland gar nicht, das ist Blasphemie, Ketzerei und Verrat an der heiligen (Gehorsams-)Pflicht fürs Vaterland. Wer falsch oder gar quer denkt, gefährdet die unantastbaren Bedrohungsnarrative und die damit verbundenen Heilsnarrative. Nur Angst, Technologie und Gehorsam halten uns auf Kurs. Wo kämen wir hin, wenn Menschen auf einmal anders denken, schreiben, berichten, sich entspannen, verbinden - oder sogar auf der Straße gemeinsam ihre Meinung äußern?

Zum Artikel auf nachdenkseiten.de: "Dieser Protest ist nicht rechtsradikal: Er ist wichtig" (20.12.2021)

 

Bildquelle: Adobe Stock / Photocreatief

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