Ein Buch für eine saubere medizinische Wissenschaft und freie Gesellschaft

Rezension: Nackte Medizin

13.02.2026 von Christian Zehenter

Wer hat nicht schon angebliche wissenschaftliche Erkenntnisse gehört wie: Die Impfung schützt vor COVID-19, Klimawandel und Feinstaub machen krank, SARS-CoV-2 stammt aus der Natur, Zucker, Salz und Fleisch sind schädlich, Übergewicht tödlich, Nährstoffpräparate und tägliche Bewegung lebenswichtig. Alarmismus, Autoritarismus und Korruption auf der Grundlage dieser und weiterer angeblicher wissenschaftlicher Erkenntnisse prägen heute Berichterstattung und Politik. Dass medizinische Forschung und PR, Leitlinien, Fachgesellschaften und Akteure des Gesundheitswesens Studienergebnisse dafür Studienergebnisse manipulieren oder bewusst falsch interpretieren, ist nichts Neues. Aber dass ein Mitglied der Leopoldina und emeritierter Professor, der ärztlicher Direkter an der Uniklinik Heidelberg war, dies beschreibt, lässt staunen. Chapeau angesichts dieser Courage und Offenheit!

Insider kratzt an der Unfehlbarkeit der Medizin

Denn damit rührt Autor Prof. Dr. Dr. Peter Nawroth in seinem Buch „Nackte Medizin“ an den heiligen Gral der Medizin: die angebliche Unfehlbarkeit medizinischer Forschung und Expertise. Als Insider beschreibt er ein korruptes System frisierter Forschung und Berichterstattung und schreibt: „Wissenschaftler der Medizin, die Daten so lange interpretieren und modellieren, bis sie zum politischen Leitfaden werden, sind nicht mehr Wissenschaftler, sondern aktivistische Geisterfahrer, die uns allen gefährlich werden können.“ So beschreibt er den Komplex aus Forschung, Fachgesellschaften, Behörden, Universitäten und weiteren Akteuren als ausführende Organe einer totalitären politischen Agenda und mahnt: „Die missbrauchte Wissenschaft wird zum Totengräber einer zur Vielfältigkeit und Offenheit fähigen Gesellschaft. (…) Die Interpretation von Forschungsdaten wird dabei zur Waffe, das Anliegen ‚Gesundheit‘ wird zum Deckmantel für eine Politik der Bevormundung. (…).“

Der Autor erklärt, wie absurd es ist, von Zahlen und Modellen auf den Menschen zu schließen und anhand von Beobachtungsstudien Korrelation und Kausalität zu verwechseln. „Für den Einzelnen ist ein aus einem großen Kollektiv gewonnener Mittelwert uninteressant. (…) Der reine Blick auf die ‚nackte Zahl‘ nutzt nichts. (…) die falsche Bezugnahme einer korrekt errechneten Zahl führt zu Falschaussagen.“ Denn häufig wird der Nutzen von Therapien weit überbewertet, während die Schäden geringer erscheinen, indem positive Effekte in Ergebnissen und Berichterstattung hochfrisiert werden. Der Einzelne mit seinem individuellen Körper und Umfeld geht in dieser Betrachtung verloren. Jugendkult sorgt zudem für eine Katastrophisierung von Alter, Krankheit und Tod.

Nichtssagende Beobachtungsstudien als angebliche Grundlage für Maßnahmen

Statt aufwendiger Interventionsstudien, die tatsächlich zwei Größen in eine kausale Beziehung setzen können, werden meist nichtssagende Beobachtungsstudien herangezogen. Oft zeigen letztere die gewünschten Zusammenhänge zu bestimmen Einflüssen erst bei einem riesigen Kollektiv und bei völlig unklarer Ursächlichkeit. So haben beispielsweise Wohnumfeld und sozialer Status einen grundlegenden Einfluss auf die Gesundheit, gehen aber mit vielen weiteren Variablen wie einem erhöhten Konsum von Zucker, Fertiglebensmitteln oder Körpergewicht einher. Diese Nebenschauplätze werden dann zu Ursachen umgedeutet und zur Grundlage von Überwachungs-, Erziehungs- und Bevormundungsmaßnahmen gemacht. Ähnlich bei Therapien.

Unabhängige Medizin und individuelle Freiheit statt Propaganda
Neben einer von Politik und Ideologie unabhängigen Medizin tritt der Autor für die Freiheit jedes Einzelnen ein: Kein Mensch darf einem anderen vorschreiben, wie er sich zu verhalten hat und an welche Wahrheit er glauben muss. „Die Abgabe der Individualrechte an eine kollektivistische Menschensicht kennt nur einen Gewinner: kleine Interessengruppen, denen die Wissenschaft zur Macht verhilft.“

Alarmismus mithilfe gepanschter Daten

Nawroth beschreibt eine Medizin, die von Ideologie und der Manipulation von Studienergebnissen, Interpretationen, Berichten und Leitlinien geprägt ist und zum Ziel hat, möglichst schnell möglichst simple und praxisrelevante Ergebnisse und Vorgaben zu erwirken, um entsprechende Leistungen und Produkte zu verkaufen und ein autoritäres, alarmistisches System zu errichten: „Das Panschen und Tricksen mit Beobachtungsstudien hat Konsequenzen, da die gepanschten Daten mithilfe der getäuschten Öffentlichkeit gegen die Rechte des Individuums eingesetzt werden. Alles kleine Sargnägel, die dazu angetan sind, unsere auf Freiheit und Selbstverantwortung sowie sozialen Beistand aufgebaute Gesellschaft in eine Gesellschaft des ‚rechtschaffenen Denkens und Handelns‘ umzubauen.“ (…) Die Vertrauenskriese in die Wissenschaft der Medizin wird erst enden, wenn wieder ehrlich über Studienergebnisse berichtet wird. (…) Eine Antriebskraft hinter dem Willen zur Entmündigung ist die Gier. Sie wirkt auf allen Ebenen zersetzend. (…) Wir alle haben ein Recht darauf, dass nicht die Häufigkeit, mit der eine Meinung geäußert wird, über unsere Gesundheit entscheidet, sondern korrekt beurteilte Forschungsergebnisse. Unter diesen gibt es ein Ergebnis von herausragender Bedeutung: das Nichtwissen!“

„Das Lügen beginnt mit dem Schreiben des Forschungsantrags“

Hierbei stehen die meisten Aussagen von Studien, Wissenschaftlern, Gutachtern, Fachgesellschaften und führenden Mediziner von vornherein fest. Nawroth: „Das Lügen beginnt mit dem Schreiben des Forschungsantrags.“ Denn nur für gefällige und politisch erwünschte Ergebnisse und „Wahrheiten“ (z. B. Bedarf bestimmter Medikamente, Bedrohung durch Klimawandel, Pandemien, Übergewicht oder „falsche“ Ernährung) erhalten die Akteure Gelder, Reputation, Publikationsmöglichkeiten, Jobs und Karrieren – und letztlich die Eintrittskarte zum Club der Anständigen und moralisch Überlegenen. Widerspruch oder gar eine offene Diskussion findet daher kaum noch statt. Somit ist die medizinische Wissenschaft international am Ende. Dies hat die COVID-Krise eindrucksvoll belegt, in der alle Grundsätze evidenzbasierter Medizin und ethisch vertretbarer Forschung über Bord geworfen wurden und die Medizin zu einer gleichgeschalteten Zensur- und Propagandamaschine verkam. Diese hatte vor allem den Auftrag, mithilfe von Alarmismus ein autoritäres System zu errichten und Zwangsmaßnahmen zu etablieren. „Man erkennt den abgeschalteten Motor der Wissenschaft daran, dass Gegenargumente als unmoralisch gebrandmarkt werden.“ Und zur Rolle der Fachgesellschaften: „Aus wissenschaftlichen Fachgesellschaften wurden unwissenschaftliche Lobbyisten.“

Der Autor demonstriert anhand diverser Studien, wie durch die Manipulation von Studienergebnissen oder deren Interpretationen falsche medizinische „Wahrheiten“ verbreitet wurden, die wiederum zu Bevormundungs- und Erziehungsprogrammen genutzt wurden (z. B. Maßnahmen gegen Zucker, Fleisch, Übergewicht, Klimawandel, Infektionen etc.). In vielen Fällen sind es hingegen Faktoren weit außerhalb der Medizin, die über Gesundheit und Krankheit und insbesondere das Wohlbefinden der Menschen entscheiden, darunter Entspannung, gute zwischenmenschliche Beziehungen, Sinnhaftigkeit, Optimismus, Bildung, Gerechtigkeit, soziale Teilhabe, Zusammenhalt und menschenwürdiges, bezahlbares Wohnen. „Der zivilisatorische Druck, gesünder als gesund zu sein, erzeugt zusammen mit der Angst vor fast allem eine Atmosphäre der Genusslosigkeit.“

Nawroth weiter: „Wissenschaft wird durch Manipulation des eigenständigen Denkens zum Machtfaktor. (…) War einst Heiligkeit gleichbedeutend mit Wahrheit, ist es heute die Öffentlichkeitswirksamkeit einer kleinen Gruppe von Aktivisten. Diese sind überzeugt, die Gesellschaft verändern zu müssen. Der Ruf ‚Die Wissenschaft sagt uns…‘ ersetzt das Glaubensbekenntnis.“

Das Buch liest sich wie eine Rede, ein Appell an Vernunft, Redlichkeit und für eine freie Gesellschaft, die über absolute Wahrheiten „der Wissenschaft“ und autoritäre Bestrebungen (unter dem Vorwand der Alternativlosigkeit) erhaben ist und sich für einen Pluralismus der Meinungen und Lebensentwürfe einsetzt – und dem gesunden Menschenverstand, Selbstbestimmung und Individualität jedes Menschen und jedes Körpers Priorität vor ideologisch konstruierten „Notwendigkeiten“ einräumt. Absolute Leseempfehlung!

Peter Nawroth: Nackte Medizin. Bloßstellung einer ideologisierten Wissenschaft. Achgut Verlag. 2025

Zurück