Warum Corona-Ausnahmezustand und Totalitarismus Kriege begünstigen

Wie konnte es so weit kommen?

28.02.2022 von Christian Zehenter

Medien und Politik stürzen sich auf das aktuelle Geschehen, als gäbe es kein Morgen - und kein Gestern. Doch wenn man von der unglaubwürdigen Geschichte eines einsamen geisteskranken Mannes, der versehentlich eine atomar ausgerüstete Armee befehligt, absieht: Welche Prozesse führten - vor allem seitens des Westens - zur Aufheizung und schließlich zum Krieg - und wie könnte dies mit dem unefristeten Corona-Ausnahmezustand zusammenhängen? Wann drehte sich der Wind und welches waren die Mechanismen, die das politische und gesellschaftliche Klima anheizten und demokratische Kontrollen verdrängten?

Identitäres westliches Lebens-, Staats- und Gesellschaftskonzept

Die Phase der Moralisierung und Aufheizung lässt sich bis 9/11 zurückverfolgen. Mit dem "Krieg gegen den Terror" folgt die westliche Welt seit gut 20 Jahren einer zunehmend kriegerischen, ethnozentrischen und totalitären Agenda. Mit den kurz nach den Anschlägen wie gerufen auftauchenden Milzbrand-Briefen unklarer Herkunft bei amerikanischen Senatoren und Nachrichtensendern kam auch das Thema Seuchen und Biosicherheit aufs Tapet, bald gefolgt von in Szene gesetzten Hyperbedrohungen durch globale Erwärmung, ökologischen Kollaps, Rechtsextremismus und Diskriminierung. Glaubte man den sich zunehmend gleichschaltenden Medien, schien die Welt fast über Nacht von einem behaglichen, sicheren Ort zu einem Inferno geworden zu sein. Dies widersprach zwar fast allen Daten - die Lebenserwartung, Sicherheit und Gesundheit der Menschen nahm weiter zu, während Kriege, Hunger und Katastrophen zurückgingen. Aber das Bauchgefühl und die Erzählungen waren offenbar entscheidend. Sie sollten das identitäre westliche Lebens-, Staats- und Gesellschaftskonzept des 21. Jahrhunderts transportieren, mit den Säulen: 1. Bedrohungsszenarien, 2. Moralisierung, 3. Kollektivismus, 4. Technokratie, 5. Regulierung und 6. Aufheizung.

1. Bedrohungszenarien: Gefahren hysterisch überhöhen und damit selbst produzieren

Wer sich vor Spinnen, Dunkelheit, Fahrstühlen, Zahnärzten oder Prüfungen fürchtet, weiß: Bedrohungen lassen sich mit der entsprechenden Erwartung immer und überall ausmachen und erhalten sofort unsere volle Aufmerksamkeit - ganz unabhängig von jedem faktischen Risiko. Der Ruf der Angst erfasst die Menschen spontan. Dabei gilt: Die Art der Beobachtung und nicht eine absolute Eigenschaft entscheidet über Bedrohungsgefühl und Risikoeinschätzung - und bringt sogar häufig selbst das befürchtete Szenario hervor (einfache Beispiele: Angst, sich zu versprechen, zu stolpern oder mit jemandem in Streit zu geraten, was dann eben dazu führt). So sind Bewegungsmangel, Kontaktbeschränkungen oder üppiges Essen und Trinken dutzendfach gefährlicher als Infektionen oder Gewalt, fühlen sich aber besser an und werden deshalb akzeptiert. Mit der entsprechenden Technik und Erzählkunst lässt sich zudem jeder Einfluss als Bedrohung definieren - vom Erdmagnetfeld über Radioaktivität, bis hin zu Infektionen, Autorasern, Klimaveränderungen, Waldsterben, Umweltverschmutzung oder "bösen" Menschen. Dies enthebt diese Bedingungen nicht ihres tatsächlichen Risikos. Aber dieses wird im Rahmen einer Erzählung nicht mehr quantifiziert und zu anderen Größen in Bezug gesetzt, sondern hysterisch überhöht und verabsolutiert - und als scharfe Klinge gegen Menschlichkeit, Entspannung und Freiheit geführt. Somit werden allgegenwärtige und eigentlich alltägliche Herausforderungen zu einem nie endenden Alptraum - der Zielpunkt jedes Despoten (denn nichts bringt Menschen mehr auf Spur als Angst).

2. Moralisierung: "Das Böse bedroht uns und muss bekämpft werden"

Niemand vermag zu sagen, was gut oder schlecht ist, denn dies sind Bezugsbewertungen. Wenn also eine Maus einer Katze begegnet, ist dies für einen Beteiligten eine Katastrophe, für den anderen ein Glücksfall. Der Beobachter mag für die eine oder andere Seite Partei ergreifen. Doch indem nun Regierungen, Milliardäre und Medien ("Faktenchecker" sind bereits Realität) vorschreiben, was richtig und falsch, gut und böse ist, haben sie den Bezug abgeschafft und die Welt moralisch gerastert. So behaupten sie z. B., obwohl jeder Mensch stirbt, dass "jeder Tote einer zu viel" sei - so aufrüttelnd wie absurd. Viele scheinbare Wahrheiten wurden seither auf den Weg gebracht - vom Corona-Killervirus mit der rettenden Impfung über die Diskriminierung fast aller gesellschaftlichen Gruppen, die gerade stattfindende Zerstörung der Welt durch globale Erwärmung bis hin zu originär bösen Menschen ("Rechte, Extremisten, Terroristen, Trumps, Erdogans, Bolsonaros, Putins, Jebsens und andere Leugner und Verschwörer"), die angeblich unsere Welt bedrohen. Dem ist die Botschaft gemeinsam: Es gibt das Böse, es droht uns zu übermannen, und wir müssen es entschlossen bekämpfen. Ein hervorragendes Konzept für Gleichschaltung, Ausgrenzung (der Nonkonformisten), Durchregieren und letztlich auch Krieg.

3. Kollektivismus: Selbstbestimmung, Freiheit und Würde im Schatten der "Gemeinschaft"

Jeder Mensch hat laut Verfassung ein Recht auf Selbstbestimmung und freie Entfaltung - auf seine Individualität und Würde. Dieses Recht steht heute nur noch auf dem Papier, denn es fällt weit hinter das Prinzip der kollektiven Sicherheit zurück. Angesichts der vermeintlichen schrecklichen Bedrohung müssen wir uns vereinen, hinter der Führung scharen, wie aus einem Munde sprechen und wie eine Hand das Schwert der Tugend führen. Wer bei diesem Kollektivismus und Konformismus nicht teilnimmt, wird als Verräter ausgegrenzt.

4. Technokratie: Moderne Technologie als heiliger Gral und Heilsversprechen

Wie bereits Exkanzlerin Merkel feststellte, soll alles, was technisch möglich ist, auch verwirklicht werden. Dies gilt als Selbstzweck und Selbstläufer, unabhängig davon, ob es schädlich oder nützlich ist. Somit dient nicht mehr die Technik dem Menschen, sondern der Mensch der Technik, so viel Zeit, Mühe, Gleichgewicht und Gesundheit sie auch kostet. Sie ist Mittel und Weg zugleich, Religion, Kult und Endpunkt. Ohne dass es uns glücklicher machen oder entlasten würde, wird daher entwickelt, so weit, so rigoros und so tiefgreifend es möglich ist. Der Mensch soll zunehmend zum digitalen Wesen werden. Niemand soll mehr ohne die digitale Welt, KI und Biotechnologie leben können und dürfen, ob dies glücklich oder unglücklich, rastlos oder gelassen macht. Man spricht von Transhumanismus, der Verschmelzung von Mensch und Technik und damit der angestrebten Auflösung des Menschen als Herzens-, Freiheits- und Bindungswesen. Dazu passt, dass die Menschheit sich nun weltweit einer Genmanipulation durch mRNA-Impfungen unterziehen soll. Der Pharmaindustrie geht es dabei weniger um den Schutz der Menschen vor Infektionen als den Durchbruch der Biotechnologie in den Alltag der Menschen - mit dem leeren Versprechen eines längeren, besseren oder gar ewigen Lebens - also einer religiösen Botschaft, die noch in jeder heiligen Schrift zu lesen war. Für jedes Problem soll es fortan eine technische Lösung geben. Der Mensch hat diesem Prinzip zu dienen, vom Homo hygienicus zum Homo digitalis.

5. Regulierung: Nach der Verkündung folgt die Durchsetzung

Was helfen kraftvolle Erzählungen, wenn sich nicht (alle) Menschen an die daraus folgenden Imperative halten (um die es schließlich geht)? Insofern folgt in totalitär orientierten Systemen auf die Verkündung immer die Regulierung. Eine neofeudalistisch-marxistisch ausgerichtete Elite hat hierbei das Ruder übernommen und mit der Gleichschaltung und Vernetzung von Medien, Verbänden, Kirchen, Institutionen, Staatsverwaltung und Politik einen klassischen Hofstaat geschaffen, der zugleich Wahrheit, Mittel, Weg und Diskussion festlegt und damit die vier Gewalten der Demokratie mehr als 200 Jahre nach der französischen Revolution wieder auf sich vereint. Was heute entschieden wird, ist somit morgen strafbewehrtes Gesetz. Derartige Systeme tendieren mangels Kontrollinstanzen entweder zur Starre oder zur Eskalation - häufig beides im Wechsel.

6. Aufheizung: Markt und Macht durch Eskalation

Alle Einflüsse führen zu einer Gewöhnung und Entmystifizierung, wenn sie nicht ständig intensiviert werden. Somit werden laut den Protagonisten die Bedrohungen und Verheißungen täglich größer. Wir sollen uns selbst und die Welt nur noch im Begriff ständigen Wachstums erleben, täglich mehr von allem konsumieren, erfahren und erdulden. Nichts darf stillstehen, ausruhen, sich besinnen, betrachtet, abgewogen, infrage gestellt oder wieder verlassen werden. Es muss weitergehen. Viele Profiteure sind mit im Boot, die mit einer ständigen Aufheizung ihre Ego und Vermögen vergolden - von den Oligarchen (die sich selbst häufig "Philanthropen" nennen) über Digital- und Finanzkonzerne bis hin zu Big Pharma und Rüstungsindustrie. Entspannung, Freiheit oder Stillstand sind ihr Alptraum, Autorität, Angst und Krieg ihr Kraftstoff.

Fehlende "Checks and Balances" führen in den Konflikt

Was hat dies alles mit dem Russlandkonflikt zu tun? Die Antwort: Dies sind die Voraussetzungen, die Konflikte, Eskalationen und Kriege begünstigen und durchaus auch hervorbringen. Eine Totalisierung, die unlängst in der Corona-"Pandemie" in den autoritären Umbau vieler Staaten und Gesellschaften und den Verlust demokratischer Kontrolle gipfelte, führt fast immer zum Krieg oder seinen Voraussetzungen. Denn man hat offenen Diskurs durch verordnete Wahrheit, Demokratie durch Verordnungsstaat und Grundrechte durch Notstandsgesetze ersetzt. Dies führt zwangsläufig zu Machtkonzentration, Kubablasen, Arroganz, Kleptomanie, Naivität und Überheblichkeit. Und diese wiederum - aufgrund der fehlenden Checks and Balances - allzu leicht in den bewaffneten Konflikt. Was im totalitären Portfolio ebenfalls nie fehlt, ist Propaganda: Kritiker und "Feinde" kommen nicht unzensiert zu Wort, werden diabolisiert, und es gibt keine offene Diskussion über ihre Thesen (was hier durchaus für beide Seiten gilt). Nichts davon rechtfertigt einen Krieg, vieles davon begünstigt ihn jedoch. Doch weil man daher in Deutschland fast nur das deutsche Framing und nicht die tatsächlichen Worte Putins kennt, lohnt ein Blick auf den übersetzten Volltext seiner Rede vom 21.02.2022. Inwiefern man sie auch befürwortet, ablehnt oder einfach nur zur Kenntnis nimmt, wird die russische Position hierdurch wesentlich deutlicher als durch die Tagesschau.

 

Bild: adobe.stock/kirill_makarov

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