Achtung Satire

Wir sind die Guten

06.06.2022 von Ulrich Becker

Wir wollen weiter Maske tragen

Selbst wenn jetzt unter politischem Druck viele Maßnahmen gefallen sind: Wir bleiben dem Angst-Solidaritäts-Narrativ treu, weil uns sonst Lebensinhalt fehlt. Daher handeln wir auch weiterhin nach dem pandemischen Imperativ des industriefinanzierten Virologen-Gottes Dr. Drosten. Dieser lautet: „Handle stets so als seist du positiv getestet und dein Gegenüber gehöre einer Risikogruppe an.“ Gutmenschen erkennt man also auch seit dem 2. April daran, dass sie in der Öffentlichkeit eine Maske tragen. Das sehen wir in deutschen Supermärkten, Bäckereien und Museen: Die solid-arische Mehrheit trägt weiterhin Maske!

Wir brauchen keine Freiheit. Der Deutsche verträgt das nicht. Es muss erst noch viel schlimmer werden, bis er sich aufrafft, für seine Freiheit einzustehen. Das wusste schon Hofmann von Fallersleben in einem Gedicht von 1850:

„Nicht Mord, nicht Bann, noch Kerker
nicht Standrecht obendrein
es muß noch stärker kommen
soll es von Wirkung sein.

Ihr müßt zu Bettlern werden
müßt hungern allesamt
Zu Mühen und Beschwerden
verflucht sein und verdammt.

Euch muß das bißchen Leben
so gründlich sein verhaßt
daß Ihr es fort wollt geben
wie eine Qual und Last.

Erst dann vielleicht erwacht noch
in Euch ein besserer Geist
Der Geist, der über Nacht noch,
Euch hin zur Freiheit heißt.“

Was immer wieder stört, ist die Behauptung, es handele sich um eine Fake-Pandemie. Dass wir eine echte Pandemie haben, erkennt man schließlich daran, dass wir einen Schwarzmarkt für Impfstoffe haben. Millionen Menschen versuchen vergeblich, sich seit einem Jahr impfen zu lassen. Nur in einer Fake-Pandemie gäbe es einen Schwarzmarkt für Impfausweise.

Maßnahmenwahn: Dümmer geht's immer

In Schweden ist die Pandemie angeblich von Anfang an ausgefallen. Das liegt aber daran, dass Schweden dünner besiedelt ist. Deutschland ist dagegen dümmer besiedelt, deswegen brauchen wir hier in drei von vier Jahreszeiten massive Einschränkungen, um die Pandemie zu bekämpfen, die es ohne Maßnahmen, Panikaktionen, Testwahn und Diagnoseverschiebungen evtl. gar nicht gäbe. Nun sind die Maßnahmen offiziell interimsweise und mit diversen Ausnahmen beendet. Aber zum Glück dürfen wir weiterhin stolz und solidarisch Maske tragen, auch wenn sich durch den Wegfall der Maskenpflicht die Infektionslage gar nicht ändert. Schließlich muss man konsequent sein und für seine Haltung auch einmal gerade stehen.

Ähnlich ist es ja mit der Testpflicht. Spanien hat zum Beispiel vor wenigen Monaten die anlasslosen Tests eingestellt und, schwups, war die Pandemie weg. Das darf der deutschen Pharmaindustrie nicht passieren. Daher müssen wir endlich wieder: Testen, testen, testen!

Wir fordern zudem eine moralische Maskenpflicht. Wer Maske im Supermarkt trägt, bekommt einen Social-Scoring-Punkt. Beim Spazieren im Wald mit Maske bekommt man zwei Punkte. Nur mit ausreichend Punkten, ist man rentenberechtigt. Wie viele Punkte dies sind, legt die Regierung zu einem späteren Zeitpunkt fest. Hauptsache, wir sammeln schon einmal.

Wir lassen uns auch nicht durch wahr gewordene Prophezeiungen von kritischen Ärzten und sonstigen Nazis verunsichern. Die FAZ stellt in Bezug auf eine britische Studie mit Kleinkindern z. B. fest: „Durch die Maskenpflicht ist die Sprachentwicklung verzögert.“ Das ist Propaganda-Journalismus. Masken haben keinerlei negative Auswirkungen. Das sagt die Regierung, und dieser geht es nur um unsere Gesundheit. Noch niemals ging es in Regierungskreisen um Macht, Geld und Kontrolle.

Auf tagesschau.de kann man in einem Kommentar-Beitrag von Vera Wolfskämpf vom MDR lesen: „Gesundheitsminister Lauterbach hat viele Fans enttäuscht. Das ist kein Wunder. Die hohen Erwartungen konnte er gar nicht erfüllen. So viele Menschen haben so viele Hoffnungen in Karl Lauterbach gesetzt. All jene, denen die Corona-Politik zu lasch gewesen war, feierten ihn in den sozialen Netzwerken noch vor Amtsantritt als "Gesundheitsminister der Herzen". Nach einem kurzen Honeymoon ist sie nun da, die bittere Erkenntnis: Lauterbach ist wie die anderen. Letztlich macht er auch nur Realpolitik. Wenn ein Koalitionspartner die FDP ist ... Und wenn einer der Partner die FDP ist, hat es auch ein Karl Lauterbach schwer mit strikten Corona-Regeln. Ganz offensichtlich schaffte er es nicht, die Liberalen von seinen Argumenten etwa für die Maskenpflicht zu überzeugen, und musste klein beigeben. Das wirkt alles so widersprüchlich, dass man sich fragt, wie Lauterbach das selbst aushält. Viele seiner Fans scheinen nicht mehr bereit dazu. Gesundheitsminister der Herzen? Wohl eher der gebrochenen Herzen.“

Wir spenden und frieren gerne für die große Sache

Wir bleiben hingegen standhaft und unterstützen das internationale Kontrollsystem gerne mit unserem Geld. So haben die gesetzlichen Krankenkassen ein Defizit von 17 Mrd. EUR für 2023 angekündigt. Völlig unerwartet führt das zu Beitragserhöhungen und Leistungskürzungen. Doch die Solidarität mit windigen Testcenter-Geschäftemachern, Masken-Deal-Profiteuren und der Pharma-Industrie war es uns wert. Das zahlen wir gerne aus Solidarität.

Seit Jahren warnen kluge Köpfe auch davor, mit immer neuen Staatsanleihen eine Inflation anzuheizen. Doch genau das macht die EZB seit Jahren. Überall steigen nun Preise, wir haben die höchste Inflation seit 1982 und wohl bald die höchste seit Kriegsende – aber natürlich nur aufgrund höherer Gewalt, niemals aufgrund einer Politik gegen Freiheit und Wohlstand der eigenen Bevölkerung. Schuld daran ist sind somit Putin, das Virus und der pöse Kapitalismus! Ganz sicher keine Auswirkungen hatten unsere politischen Maßnahmen, wie Boykotte, Sanktionen und sonstiger pseudosolidarischer Staats-Aktionismus sowie die irrwitzige Aufblähung der EZB-Bilanzsumme. Bei der EZB sitzen nur politisch unbeeinflusste Profis! Deswegen wird die EZB-Spitze auch von Politikern besetzt!

Der bekannte Schriftsteller Stefan Zweig sagte schon zur Inflation von 1923 und dem späteren Aufstieg der Nazis: "Nichts hat das deutsche Volk so erbittert, so hasswütig, hitlerreif gemacht wie die Inflation." Aber Zweig ist ein Schwurbler. Völlig ohne Bezug zur heutigen Zeit erklärt er nach Ausbruch des ersten Weltkrieges, dass er in den Kampf ziehe „gegen den Verrat der Vernunft an die aktuelle Massenleidenschaft!“ Nur Wahnsinnige ziehen Parallelen zur heutigen Lage. Er schreibt weiter: „Von Anfang an glaubte ich nicht an den ,Sieg‘ und wußte nur eines gewiß: daß selbst wenn er unter maßlosen Opfern errungen werden könnte, er diese Opfer nicht rechtfertige. Aber immer blieb ich allein unter all meinen Freunden mit solcher Mahnung, und das […] ließ mich oft zweifeln, ob ich selbst wahnsinnig sei unter all diesen Klugen oder vielmehr allein grauenhaft wach inmitten ihrer Trunkenheit.“

Unser Geld: digital, transparent - und wertlos

Zurück zur Inflation: Sie ist die ultimative Steuer. Eine Steuer, von der die Leute nicht einmal etwas wissen. Eine Steuer für Leute, die an Papiergeld und ihre Regierung glauben. Polen und Tschechien reagieren mustergültig auf steigende Inflationsraten, indem die dortigen Notenbanken die Zinsen deutlich anheben – denn diese Länder sind eben nicht Mitglied in der Eurozone und können ihre Zinsen selbst festlegen. Aber die EZB klebt erst einmal weiter entspannt an der Null-Linie beim Leitzins.

Wir begrüßen daher sehr, dass auch die EZB bald auf Digitalgeld umsteigen will, damit das lästige Bargeld endlich abgeschafft werden kann. Bargeld war schon immer unhygienisch. Außerdem kann man mit Digitalgeld Verbrecher besser aufspüren. Diese würden niemals auf die Idee kommen, auf Gold, andere Währungen oder Werte auszuweichen. Auch wir Bürger werden damit gläsern, aber wir haben ja auch nichts zu verbergen und lassen uns gerne in die finanzielle Unterhose schauen. Eines Tages könnte zwar genau das bei einem Putsch missbraucht werden und wir werden vom Regierungsloyalisten zum Staatsfeind. Aber das wird nicht passieren. Wir Gutmenschen haben eine wache Zivilgesellschaft und würden sofort in Massen auf die Barrikaden gehen, wenn sich eine Regierung an den Grundrechten zu schaffen macht oder mit dem Notstand zündelt. Das würden wir sofort bemerken!

Mit Halali in den Kampf für das Gute

Der Querschwurbler Milosz Matuschek kritisiert leider den Zeitgeist mit den Worten: „Das Tugendmäntelchen hat die Farbe gewechselt von Arztkittelweiß auf Tarnfleck mit Gelb-Blau-Merchandising. Während wir es uns an der Heimatfront des Hasses und der Heuchelei gemütlich machen. Das erste Opfer des Krieges, sagen manche, ist die Wahrheit. Dabei ist es die Neutralität. Wer die Schablone Krieg über die Gesellschaft zieht, lässt nur noch die Unterscheidung in Freund und Feind gelten. Die Demokratie, die stets von Nuancen, Grautönen und Alternativen lebt, wird medial in eine Zwangsbekenntnisgemeinschaft umgewandelt. Wir brauchen Komplexitätskompetenz statt Gewissheitsbekundungen. Neutralität ist nicht Gleichgültigkeit. Es ist das souveräne Recht auf Freiheit von Zwangsbekenntnissen. Genauso wie es zur Meinungsfreiheit gehört, keine zu haben oder eine bestimmte äußern zu müssen.“

Neutralität ist jedoch etwas für Schwächlinge und Quertreiber. Dieser Meinung ist auch unsere Außenministerin Baerbock: „Bei Fragen von Krieg und Frieden kann Deutschland nicht neutral sein“, erklärt sie den Nutzen einer neuen nationalen Sicherheitsstrategie. Ihre Partei hatte vor wenigen Monaten noch mit folgenden Wahlplakaten geworben: „Wir setzen uns für ein Exportverbot von Waffen und Rüstungsgütern an Diktaturen, menschenrechtsverachtende Regime und in Kriegsgebiete ein. Für Deutschland werden wir ein Rüstungsexportkontrollgesetz vorlegen. Das willst Du auch? Dann wähl GRÜN am 26. September.“ Auf die Aussagen dieser Menschen ist also Verlass. Olaf Scholz z. B. schließt den Einsatz der NATO in der Ukraine aus. So wie er eine Impfpflicht ausgeschlossen hat. Und Neuverschuldung. Und Lieferung von Waffen in Kriegsgebiete. Daher können wir beruhigt sein.

Nicht nachlassen, der Krieg darf nicht ausgehen

Nach dem letzten Weltkrieg hieß es: Nie wieder soll VON Deutschland ein Krieg ausgehen. Das ist ein Fehler in der Überlieferung. Wir rüsten jetzt mit 100 Mrd. EUR auf und erhöhen unseren Wehretat drastisch, liefern damit Waffen in Kriegs- und Krisengebiete. Die richtige Überlieferung des Satzes ist: Nie wieder soll WEGEN Deutschland ein Krieg ausgehen. Wir liefern nämlich immer, in der Vergangenheit auch gerne an beide Seiten.

Wir werden jetzt 2 % unseres BIP für die Bundeswehr ausgeben. Damit rücken wir als Militärmacht auf Platz 3 in der Welt auf, direkt hinter den USA und China, noch vor Russland und Indien. Und bald sind wir in der Welt wieder die Nummer 1!

Ein erster Landkreis hat jetzt das Z in Autokennzeichen verboten, weil das als Solidarität für Russland interpretiert werden könnte. Wir sind dafür, das Z ganz aus dem Alphabet zu streichen. Poliei und Verfassungsschut haben dies mit aller Härte durchzusetzen und jeden Delinquenten wegen Kriegsverherrlichung festzunehmen.

Die Bundesregierung hat kürzlich ein neues Gesetz erlassen: Erdgasspeicher müssen bis zum Herbst gefüllt werden, damit wir nicht erpressbar sind. Gefüllt wird natürlich mit russischem Gas, was sonst. Aber im Winter finanzieren wir dann nicht mehr den Krieg in der Ukraine. Nur im Sommer geben wir beim Auffüllen der Gasspeicher Russland schon einmal das gleiche Geld als Vorschuss. Denn wir sind klug.

Grenzenlose Solidarität mit Herz und Hurra

Erdgas ist Ausgangspunkt für viele Produkte in der chemischen Industrie, z.B. Dünger. Aber wer braucht schon Dünger? Wer braucht Nahrungsmittel? Lieferschwierigkeiten bei Nahrungsmitteln? Kein Problem, das machen wir mit. Aus Solidarität. Daher: Totaler Gas-Boykott jetzt. Wir hungern und frieren gerne für die große Sache. Diese Solidarität wird besonders von den Grünen propagiert, unserer Partei der Herzen.

Helmut Schmidt sagte zwar mal: „Wer einmal die Grünen wählt, wird es später bitter bereuen.“ Aber: Der alte Mann war verwirrt. Und wäre heute bestimmt Oberschwurbler der Nation.

Durch Sperrung des Luftraumes für russische Flugzeuge und der erwartbaren russischen Gegenreaktion, brauchen Flugzeuge z. B. nach Peking nun bis zu 15 % mehr Zeit und Kerosin. Zum Ausgleich verordnet uns die Regierung neue Klimaschutzmaßnahmen.

Bei den US-Friedensmissionen von 1987–2017 sind 6 Millionen Menschen umgekommen – in Irak, Afghanistan, Libyen, Panama, Somalia, Sudan, Syrien, Golfstaaten, Jugoslawien und Jemen. Es gab trotzdem keine Sanktionen gegen die USA. China weist nun auf diese US-Kriege hin und weigert sich, mit doppelten Standards zu messen. Das grenzt an Blasphemie. Denn natürlich sind US-Kriege per se völkerrechtskonform, friedlich und im Dienste der Menschlichkeit und Demokratie.

Solidarische Interventionspolitik: Wir opfern gerne

Wir sind opferbereit für unsere Solidarität. Der Arzt Dr. Thomas Quak warnt zwar auf Twitter: „#Opferbereitschaft ist keine Tugend. Sie ist eine #Traumafolge. Sie ist gesellschaftlich und für das Individuum dysfunktional. Wird sie zur Pflicht, vernichtet sie die Menschlichkeit und die Existenz.“ Aber es handelt sich eindeutig um einen Quak-Salber. Wir fordern eine Pflicht zur Opferbereitschaft!

Euro-Paletten gehen uns jetzt aus, weil wir Holzlieferungen aus Russland verweigern. Auf einen Neuwagen müssen Kunden aktuell bis zu einem Jahr warten. Doch ist hier mit Sicherheit noch mehr möglich: Mit weiterer solidarischer Interventionspolitik sind die 15 Jahre Lieferzeit für den Trabi in Sichtweite. Wir können auch 15 Jahre auf die nächste Lebensmittellieferung warten. Daher fordern wir: Mehr Interventionismus! Mehr Staatsquote!

Staaten rufen Pandiemen aus, verursachen durch politische Fehlentscheidungen Inflation und führen Kriege. Wir sehen daher: In Krisen brauchen wir dringend mehr Staat! Denn dieser knackt jeden Rekord, ob bei Inflation, Schulden, Energiepreisen, oder Angst oder Spaltung. Mehr Staat ist also nicht das Problem sondern die Lösung! Schon Genosse Honecker wusste: Vorwärts immer, rückwärts nimmer.

 

Ulrich Becker, geboren 1981, ist Wirtschaftsingenieur und selbstständig im Bereich Produktionsplanung, -steuerung und -controlling sowie Datenanalyse. Er ist verheiratet, hat vier Kinder und ist seit 2020 in der Partei dieBasis für mehr demokratische Teilhabe aktiv, für die er 2021 für den Landtag kandidierte. Er setzt sich seitdem für mehr Mitbestimmung, Selbstverantwortung, Rechtsstaatlichkeit und Gewaltenteilung ein.

 

Bildquelle: Shutterstock / mady70

Zurück

Einen Kommentar zum Thema schreiben

Bitte rechnen Sie 3 plus 5.

Anzahl Kommentare: 0